Studienseminar
Sonderpädagogik Dortmund
Fachseminar
Mathematik
Schriftliche
Unterrichtsplanung zum 4. Unterrichtsbesuch
1. Formale Angaben
Name:
Schule:
Klasse: 6b
Schüler:
Datum: 21.03.2000
Zeit: 09.15
- 10.00 Uhr
Fach: Mathematik
Mentorin:
Ako:
Fachleiter:
2. Thema der Stunde
Wer
mauert denn da? - Wir lernen die Übungsform Zahlenmauern
kennen.
3. Ziel der Stunde
Die Schüler/innen sollen verstehend mit der Struktur von Zahlenmauern umgehen sowie die dem Format Zahlenmauer zugrundeliegenden Rechenfertigkeiten üben, indem sie anhand einer Beispiel-Zahlenmauer die Aufbaustruktur erfahren und entsprechende Zahlenmauern auf einem Arbeitsblatt lösen.
Zielorientierte
Handlungsschritte:
Die
Schüler/innen sollen
·
das Thema der
Stunde mit Hilfe des Bilderrätsels erfahren,
·
das Ziel der
Stunde anhand der vorgestellten Beispiel-Zahlenmauer
erfassen,
·
anhand der
Beispiel-Zahlenmauer die
zugrundeliegende Sachstruktur begreifen und die Aufbauregel verstehen (Klärung
der Lernaufgabe),
·
differenzierte
Angebote des neuen Übungsformats bearbeiten, indem sie in Einzelarbeit
gemischte Additions- und Subtraktionsaufgaben – falls notwendig mit Hilfe der
Rechenmaschine - lösen,
·
im Stuhlkreis
ihre gelösten Zahlenmauern
präsentieren und dabei ihren Lösungsweg bzw. die entsprechenden Additions- und
Subtraktionsaufgaben verbalisieren und am Papp-Zahlenmauer-Modell
veranschaulichen.
4. Thema der Unterrichtsreihe
Wir
lernen verschiedene Übungsformen zur Förderung der Rechenfertigkeit im
Zahlenraum 1 bis 20 bzw. 1 bis 100 kennen.
5. Zielschwerpunkt der Unterrichtsreihe
Förderung
der Rechenfertigkeit bzw. Vertiefung der Einsicht in das Addieren und
Subtrahieren im Zahlenraum 1 bis 20 bzw. 1 bis 100 mit Hilfe verschiedener
produktiver Übungsformen, die beide Rechenverfahren integrieren.
6. Aufbau der Unterrichtsreihe
|
Std. |
Thema der Stunde |
Förderziel der Stunde |
|
1 |
Wer klaut hier
was? – Wir spielen das Spiel Räuber und
Goldschatz (Einstiegsspiel) |
Die
Schüler/innen sollen die Addition und Subtraktion im Zahlenraum bis 20 üben,
indem sie in zwei Gruppen das Spiel Räuber
und Goldschatz spielen und die sich aus dem Spielverlauf ergebenden
Additionen und Subtraktionen ausführen, verbalisieren und notieren |
|
2 |
Wer verknotet
hier wen? – Wir spielen das Spiel Kinder-Knoten |
Die
Schüler/innen sollen die Addition und Subtraktion im Zahlenraum bis 20 üben,
indem sie das Spiel Kinder-Knoten
mit ihrem “ganzen Körper“ spielen bzw. zu dem gezogenen Zahlenfeld weitere
Felder finden, mit deren Zahlen sie eine Rechenaufgabe zur Zahl des
Standfeldes bilden können |
|
3 |
Wer legt hier
was? – Wir legen uns selbst
Aufgaben |
Die
Schüler/innen sollen die Addition und Subtraktion im Zahlenraum bis 20 üben
(und alternativ auf mathematische Gesetzmäßigkeiten wie Kommutativität und
Reversibilität von Addition und Subtraktion aufmerksam werden), indem sie aus
Zahlenkärtchen und Symbolkärtchen für +,
- und = selbst Aufgaben legen und lösen |
|
4 |
Wer mauert denn da? - Wir lernen die
Übungsform Zahlenmauern kennen |
Die Schüler/innen sollen verstehend mit
der Struktur von Zahlenmauern
umgehen sowie die dem Format Zahlenmauer
zugrundeliegenden Rechenfertigkeiten üben, indem sie anhand einer Beispiel-Zahlenmauer die Aufbaustruktur
erfahren und entsprechende Zahlenmauern
auf einem Arbeitsblatt lösen |
|
5 |
Wer mauert den
da? (Teil II) – Wir rechnen mit Zahlenmauern |
Die
Schüler/innen sollen vertiefend mit der Übungsform Zahlenmauern umgehen, indem sie mit leichten operativen
Veränderungen konfrontiert werden und entsprechende Zahlenmauern (alternativ auch selbstgewählte Zahlenmauern) auf einem Arbeitsblatt lösen |
Tab.
1: Aufbau der Unterrichtsreihe
(Die
Unterrichtsreihe wird fortgesetzt - ob weiterhin mit aktiv-entdeckenden
Übungsformaten wie Zauberdreieck, magische Quadrate,... ist abhängig von der
"Rückmeldung" der Schüler/innen)
7. Darstellung der
zielschwerpunktbezogenen Lernausgangslage
Die
Klasse 6b besuchen zur Zeit acht Kinder - drei Jungen und fünf Mädchen im Alter
von 9 bis 14 Jahre. Die Lerngruppe ist äußerst heterogen, dementsprechend
reichen die auftretenden Behinderungen von allgemeiner Entwicklungsretardierung
/ psychomotorischer Retardierung über Spina bifida bis zu schweren Formen
infantiler Cerebralparese (Tetraplegie). Ebenso unterschiedlich sind die
Bildungsstufen, denen die einzelnen Schüler zugeordnet sind:
|
Name,
Alter, Behinderungsbild |
Richtlinienzuweisung |
Rolle
innerhalb der Klasse |
|
B.,
13;6 Jahre Mikrozephale Tetraspastik mit Ataxie, Amaurose
(vermutet), Wirbelsäulenskoliose |
Schwerstbehinderte |
Ø genannt
'Mausi' Ø ist
für den nötigen Geräuschpegel in der Klasse zuständig |
|
D.,
13;1 Jahre Grand-mal-Epilepsie, allg. psychomotorische
Retardierung (Koordinationsstörungen, Perzeptionsstörungen,
Körperschemastörungen) |
LB Lernstufe 4-5 |
Ø 'Mr.
Know-it-all' Ø nimmt
die Dinge (manchmal) übertrieben genau Ø wird
neuerdings von seinen Mitschülern/innen 'Professor' genannt |
|
E.,
13;1 Jahre Cerebrale Bewegungsstörung, beidseitige
Klumpfußdeformität, skoliotische Verformung der Wirbelsäule, Strabismus,
allg. Entwicklungsverzögerung |
LB Lernstufe 3-4 |
Ø 'Mr.
Music' Ø kann
einem trotz Sprachschwierig-keiten den Lauf der Welt erklären Ø neuer
Klassensprecher |
|
J.,
13;2 Jahre Vermutlich hirnorganische Schädigung, allg.
psychomotorische Retardierung, laut Gutachten "frühe soziale
Deprivation", Sprachentwicklungsstörungen (multiple Dyslalie,
Dysgrammatismus), Strabismus |
LB-reduziert (Mathematik) GB (in Deutsch und den übrigen Fächern) |
Ø zweiter
Vorname: 'Ordnung ist das halbe Leben' Ø ist
der 'Rechenfuchs' der Klasse |
|
M.,
11;11 Jahre Spastische Diparese, allg.
Entwicklungsretardierung, laut Gutachten "familiär bedingte
Entwicklungshemmung", Strabismus |
GB |
Ø geborene
Alleinunterhalterin Ø liebt
es, über 'Gott und die Welt' zu philosophieren |
|
N.,
14;2 Jahre Hypotonie, allg. psychomotorische Retardierung,
Sprach- und Sprechentwicklungsstörung (multiple Dyslalie),
Perzeptionsstörungen |
GB |
Ø 'Mrs.
Tagesschau' Ø malt
und zeichnet mit äußerster Akribie |
|
N.,
9;10 Jahre Tetraspastik, Sehvermögen und kognitive
Möglichkeiten laut Gutachten stark eingeschränkt |
Schwerstbehinderte |
Ø genannt
'Nilu' Ø der
Sonnenschein der Klasse Ø verläßt
die Klasse |
|
Ü.,
12;9 Jahre Thorakolumbale Spina bifida mit
Querschnittssymptomatik, neurogener Blasen- und Mastdarmlähmung und
Hydrozephalus, Brille |
GB |
Ø 'Mr.
Cocktailparty' Ø kann
wirklich alles, selbst Beipackzettel von Medikamenten lesen |
Tab.
2: Allgemeine Angaben zu den Schülern/innen
Mit
dieser Unterrichtsreihe wird erstmals versucht, den Kindern der Lerngruppe
einen arithmetischen Lerninhalt auf
entdeckendem Wege zugänglich zu machen (vgl. dazu die durchgeführten
Unterrichtsreihen zu den Inhaltsbereichen Geometrie
und Größen). Dementsprechend
wurden - entsprechend dem Konzept des aktiv-entdeckenden Lernens und des
produktiven Übens - Übungsformen gewählt, bei denen Additionen und
Subtraktionen ineinander greifen und kein isoliertes Training einer der beiden
Grundrechenarten erfolgt (vgl. u. a. WITTMANN/MÜLLER ²1993). Inwieweit die
Schüler/innen über die Fähigkeit, Additions- und Subtraktionsaufgaben zu lösen,
verfügen, wurde mit Hilfe des förderdiagnostischen Testverfahrens Prozessdiagnose mathematischer Kompetenzen von
BEHRING/KRETSCH-MANN/DOBRINDT (1999) geprüft:
|
Kinder Teilkompetenzen |
D. |
E. |
J. |
M. |
N. |
Ü. |
|
Zusammensetzen
von Mengen/Addition im Zahlenraum bis 10 |
JJ |
JJ |
JJ |
JJ |
J |
JJ |
|
Addition von
mehreren Summanden |
JJ |
JJ |
JJ |
JJ |
JJ |
JJ |
|
Vermindern von
Mengen/Subtraktion im Zahlenraum bis 10 |
JJ |
JJ |
JJ |
JJ |
J |
JJ |
|
Subtraktion mit
mehreren Subtrahenden |
JJ |
JJ |
JJ |
JJ |
K |
JJ |
|
Additives
Ergänzen im Zahlenraum bis 10 |
JJ |
JJ |
JJ |
J |
J |
JJ |
|
Subtraktives Ergänzen
im Zahlenraum bis 10 |
JJ |
JJ |
JJ |
JJ |
J/K |
JJ |
|
Additive
Zerlegung im Zahlenraum bis 10 |
JJ |
JJ |
JJ |
JJ |
K |
JJ |
|
Zusammensetzen
von Mengen/Addition im Zahlenraum bis 20 bzw. 100 |
JJ |
JJ |
JJ |
J |
J/K |
J |
|
Verdoppeln |
JJ |
JJ |
J |
JJ |
K |
K |
|
Vermindern von
Mengen/Subtraktion im Zahlenraum bis 10 bzw. 100 |
J |
J |
J |
J |
K |
J |
|
Halbieren |
JJ |
K |
K |
K |
K |
K |
|
Additives
Ergänzen im Zahlenraum bis 20 |
JJ |
JJ |
JJ |
J/K |
K |
J |
|
Subtraktives
Ergänzen im Zahlenraum bis 20 |
JJ |
JJ |
J |
J/K |
K |
J |
|
Zerlegen von
zweistelligen Zahlen in Zehnerzahl und Einer |
JJ |
J |
JJ |
J |
K |
JJ |
|
Multiplikation |
JJ |
J |
J |
K |
K |
J |
|
Addition von
Zehnerzahl und Einer |
JJ |
J |
JJ |
K |
K |
J |
|
Additives
Ergänzen bis zur 10 und bis zur Zehnerzahl |
JJ |
JJ |
JJ |
K |
K |
J/K |
|
Passiver
Zehnerübergang bei Addition |
JJ |
J |
JJ |
K |
K |
J/K |
|
Aktiver
additiver Zehnerübergang |
JJ |
J |
JJ |
K |
K |
J/K |
|
Subtraktives
Ergänzen von einer gemischten Zahl zur Zehnerzahl |
JJ |
J |
JJ |
K |
K |
K |
|
Subtraktion von
der 10 und von anderen Zehnerzahlen |
J |
J |
J/K |
K |
K |
K |
|
Passiver
Zehnerübergang bei Subtraktion |
JJ |
J/K |
J |
K |
K |
K |
|
Aktiver
subtraktiver Zehnerübergang |
JJ |
K |
J/K |
K |
K |
K |
|
Vervielfachen
von Mengen mit konkretem Material im Zahlenraum bis 20 |
JJ |
J |
J/K |
K |
K |
K |
|
Schriftlich
vorgegebene Divisionsaufgaben im Zahlenraum bis 20 lösen |
K |
K |
K |
K |
K |
K |
Tab.:
3: Übersicht über die mathematischen Kompetenzen der Lerngruppe
JJ = verfügt über die Fähigkeit
J = verfügt teilweise über die Fähigkeit
K = verfügt in geringem Maß / nicht über
die Fähigkeit
Darüber
hinaus müssen die Kinder der Lerngruppe bezogen auf den Zielschwerpunkt in der
vorliegende Unterrichtsstunde über folgende Teilkompetenzen verfügen:
|
Kinder Teilkompetenzen |
D. |
E. |
J. |
M. |
N. |
Ü. |
|
Fähigkeit, die
additive Struktur der Zahlenmauer
zu erfassen (inkl. der Fähigkeit, das neue "unkonventionelle"
Übungsformat zu begreifen + sich damit zurechtzufinden) |
JJ |
JJ |
J |
J |
J/K |
J/K |
|
Fähigkeit,
Zahlen zu lesen und zu schreiben |
JJ |
JJ |
JJ |
JJ |
JJ |
JJ |
|
Fähigkeit, die
zu den Rechenzeichen gehörenden
Rechenoperationen zu erkennen und zu erläutern |
JJ |
JJ |
JJ |
JJ |
J |
J |
|
Fähigkeit, die
Rechenmaschine als Hilfsmittel zu benutzen |
JJ |
JJ |
JJ |
J |
K |
K |
|
Fähigkeit,
Additions- und Subtraktionsaufgaben verschiedenen Typs zu lösen |
JJ |
JJ |
JJ |
J |
J/K |
J * |
|
Fähigkeit, den
Aufbau von Zahlen im Zehnersystem und die Struktur des Zehnersystems erfassen
zu können |
J |
J |
J |
K |
K |
K |
|
Fähigkeit, Zählstrategien
(wie Z. B. rückwärts zählen) bei Additions- und Subtraktionsaufgaben
einsetzen zu können |
JJ |
JJ |
JJ |
J |
J |
J |
|
Fähigkeit, auf
Grundaufgaben der Addition und Subtraktion zurückgreifen zu können
(insbesondere Zahlzerlegungen) |
J |
J |
J |
K |
K |
K |
|
Fähigkeit, Ableitungsstrategien
bei Additions- und Subtraktionsaufgaben anwenden zu können |
J |
J |
J |
K |
K |
K |
|
Fähigkeit zur
Einsicht in die Zahlbeziehungen sowie in die Eigenschaften der
Rechenoperationen (insbesondere das Verständnis der dekadischen Analogien) |
J |
J |
J |
K |
K |
K |
|
Merkfähigkeit
bezüglich Zahlen und Abfolge von Lösungsschritten |
J |
J |
J |
K |
K |
K |
|
Fähigkeit,
(gelöste) Additions- und Subtraktionsaufgaben verschiedenen Typs zu
versprachlichen |
JJ |
JJ |
JJ |
J |
K |
J * |
Tab.
4: Lernvoraussetzungen bezogen auf den Zielschwerpunkt
JJ = verfügt über die Fähigkeit
J = verfügt teilweise über die Fähigkeit
K = verfügt in geringem Maß / nicht über
die Fähigkeit
* = tagesformabhängig
Individuelle
Fördermaßnahmen:
D. ist neben J. der mathematisch versierteste
Schüler und wird die Lernaufgabe am ehesten verinnerlichen. Sein derzeit
größtes Problem aber ist, daß er zu hohe Ansprüche an sich selbst stellt und
dadurch oftmals an selbstgesteckten Aufgaben/Zielen scheitert und frustriert
aufgibt. Für ihn ist es in dieser Stunde daher sehr wichtig, daß er den anderen
Mitschülern/innen in der Schlußphase eine "schwierige" Zahlenmauer
vorstellt und so in seiner Arbeit bestätigt wird.
E. könnte im Fach Mathematik besser
zurechtkommen, wenn er nicht immer derart überhastet arbeiten würde und sich so
viele Flüchtigkeitsfehler einschleichen. Es wird daher in dieser Stunde wichtig
sein, ihn dazu anzuhalten, sich bei der Bearbeitung des
"Mauernblatts" Zeit zu nehmen. Außerdem benötigt er ein größer
kopiertes Arbeitsblatt, da er seine rechte Schreibhand aufgrund einer Operation
noch schonen und deshalb mit links schreiben muß.
J. ist der "Rechenfuchs" der Klasse.
Sie ist bereits in der Lage, Multiplikationsaufgaben zu lösen (Kommentar:
"Hab ich auf meinem Computer!"), obwohl dies noch nicht Inhalt des
Unterrichts war. Problematisch wird es für sie aber immer dann, wenn statt der
"grauen Päckchen" Lerninhalte auf anderem Weg (z. B. entdeckend)
aufbereitet werden und kein "Schema F"-Rechnen möglich ist. Sie ist
daher bei der Klärung der Lernaufgabe verstärkt einzubeziehen, damit sie das
Arbeitsblatt bearbeiten kann.
M. zeigt im Fach Mathematik große
Anstrengungsbereitschaft. Ihre Zahlenraumvorstellung ist aber noch nicht so
gefestigt wie bei Daniel, Erkan und Jennifer. Ihre Wahrnehmungsschwierigkeiten
tragen dazu bei, daß es ihr schwerfällt, ein Arbeitsblatt zu strukturieren (sie
beginnt oft wahllos mit einer Aufgabe) und den Überblick zu behalten (ständiges
Suchen der aktuellen Aufgabe). Sie bekommt deshalb ein entsprechend
vereinfachtes "Mauernblatt".
N. ist die schwächste Schülerin im Fach
Mathematik. Sie hat beispielsweise erheblich Schwierigkeiten, wenn bei
Additionsaufgaben ein Summand die Zahl 5 übersteigt. Sie zeigt dann meistens
auf ihre Finger, die sie als Anschauungshilfe einsetzt und sagt "Geht
nicht!" Für sie ist es in dieser Stunde sehr wichtig, daß sie während der
Einzelarbeitsphase Hilfestellung und viel Bestätigung bekommt.
Ü.s Leistung im Fach Mathematik läßt sich nur
sehr schwer einschätzen. Bei der Durchführung des förderdiagnostischen Testverfahrens
(s. o.) bestätigte sich wiederholt die Annahme, daß er nur über kurze
Konzentrationsphasen (ca. 10-15 min.) verfügt, innerhalb der er aber
verschiedene Aufgabentypen (z. B. Ergänzungs- und Zerlegungsaufgaben)
fehlerfrei löst. Inwieweit er mit dem Übungsformat Zahlenmauern zurechtkommen wird, ist in erheblichem Maße abhängig
von seiner Tagesform.
8. Verlaufsplanung
|
Zeit |
Phase |
Lehrer-Schüler-Aktivität |
Sozialform |
Medien |
Kommentar |
|
10 min |
Einstieg Er-arbeitung |
LAA erzählt von
einem Bilderrätsel und präsentiert zwei Zeichnungen: Zeichnung 1:
verschiedene Zahlen Zeichnung 2:
eine Mauer Sch. lösen das
Bilderrätsel und erfassen so das Thema der Stunde. LAA präsentiert
die mitgebrachten Pappkartons und baut daraus eine Zahlenmauer. Er weist darauf
hin, daß man beim Bauen eine wichtige Regel beachten muß. Sch. erfassen die
additive Struktur (Aufbauregel) der Zahlenmauer anhand des Modells.
Anschließend wird den Sch. die Möglichkeit gegeben selbst eine Zahlenmauer zu
bauen, um sich mit dem Übungsformat vertraut zu machen. LAA erinnert dabei
noch einmal an die Aufbauregel. |
·
Stuhlkreis |
·
Zeichnungen ·
Tesakrepp ·
Tafel ·
Pappkartons ·
Zahlenkärtchen ·
Tesakrepp |
·
Bilderrätsel
als motivierender Einstieg ·
Erarbeitung
der Struktur des Übungsformat / Klärung der Lernaufgabe ·
Überprüfung
des Regelverständnisses mittels des Sch.-Bsp.; gleichzeitig können sich die
Sch. konkret-handelnd mit dem neuen Lerninhalt auseinandersetzen |
|
Zeit |
Phase |
Lehrer-Schüler-Aktivität |
Sozialform |
Medien |
Kommentar |
|
20 - 25 min |
Durch-führung |
LAA präsentiert
das Lernangebot "Mauernblatt" und informiert die Sch., daß sie die
darauf enthaltenen Aufgaben in Einzelarbeit lösen sollen. Gleichzeitig macht
er darauf aufmerksam, daß die Rechenmaschine als Hilfsmittel benutzt werden
kann. LAA verteilt die
Arbeitsblätter, löst den Stuhlkreis auf. Sch. begeben sich an ihre Plätze und
lösen die Aufgaben auf dem "Mauernblatt", evtl. unter Zuhilfenahme
der Rechenmaschine. LAA beobachtet und gibt - falls erforderlich -
Hilfestellung. |
·
Stuhlkreis ·
Einzelarbeit |
·
Arbeitsblätter ·
Bleistifte ·
Rechenmaschinen |
·
Zisch-Bezug
è "Mauernblatt": Additions- und
Subtraktionsaufgaben treten gemischt auf; "Prüfstein" ermöglicht
Selbstkontrolle ·
Wiederholung
der Lern-aufgabe in geänderter Repräsentation und Sozialform ·
Differenzierung
durch verschieden gestaltete AB gewährleistet |
|
Zeit |
Phase |
Lehrer-Schüler-Aktivität |
Sozialform |
Medien |
Kommentar |
|
10 - 15 min |
Schluß /
Reflexion |
LAA ruft die
Sch. im Stuhlkreis zusammen. Er lobt die geleistete Arbeit der Kinder. LAA regt die
Sch. dazu an, sich gemeinsam über die Arbeitsphase auszutauschen, indem sie
sich gegenseitig ihre Ergebnisse an der Papp-Zahlenmauer präsentieren. Sch.
tauschen sich aus und vergleichen ihre Lösungen. LAA gibt den
Sch. einen kurzen Ausblick auf die nächste Stunde. |
·
Stuhlkreis |
·
bearbeitete
"Mauerblätter" ·
Pappkartons ·
Zahlenkärtchen ·
Tesakrepp |
·
Würdigung
der geleisteten Arbeit ·
Zisch-Bezug
durch Verbalisieren der in der
Zahlenmauer enthaltenen Additions- und Subtraktionsaufgaben ·
Ausblick:
operative Veränderungen an der Zahlenmauer |
|
Alternativplanung:
Falls es den Schülern/innen Schwierigkeiten bereitet, die additive Struktur
der Zahlenmauer zu erfassen, wird auf die Bearbeitung differenzierter
Lernangebote zunächst verzichtet und es werden stattdessen gemeinsam
verschiedene Zahlenmauern konkret-handelnd konstruiert und besprochen. Wie
SCHERER (1995, 271) berichtet, können durchaus Probleme bei der Entdeckung
der Rechenvorschrift auftreten, da die Kinder anfänglich die für sie
dominante Zahlreihe als Erklärungsansatz heranziehen werden. |
|||||
9. Literatur
§
ABELE,
Christine: Entdeckendes Lernen. In: Albrecht ABELE u. a. (Hrsg.): Handbuch zur
Grundschulmathematik, Bd. 1. Stuttgart u. a. 1994, 161-176.
§
BEHRING,
Karin & KRETSCHMANN, Rudolf & DOBRINDT, Yvonne: Prozessdiagnose
mathematischer Kompetenzen in den Schuljahren 1 und 2. Band I-III. Horneburg
1999.
§
BOBROWSKI,
Susanne & FORTHAUS, Reinhard: Lernspiele im Mathematikunterricht. Berlin
1998.
§
ELLROTT,
Dieter & APS-ELLROTT, Barbara: Förderdidaktik Mathematik Primarstufe.
Offenburg 1995.
§
FLOER,
Jürgen: Üben und Einsicht im Mathematikunterricht. In: Die
Grundschulzeitschrift 2 (1988), 17, 14-21.
§
GRAFFWEG,
Christoph: Was kann Klaus? Diagnostische Aufgabenstellung zur Feststellung der
Leistung von Schülerinnen und Schülern in Mathematik (Erstrechnen). In:
Mitteilungen des VDS, LV NRW, H. 2/1998, 38-70.
§
HUBACHER,
Elisabeth & HENGARTNER, Elmar: Kinder entwickeln vielfältige Aufgaben:
Zahlenmauern (1. Klasse). In: Elmar HENGARTNER (Hrsg.): Mit Kindern lernen.
Standorte und Denkwege im Mathematikunterricht. Zug 1999, 69-71.
§
KMK (Hrsg.):
Richtlinien zur Förderung körperbehinderter Schülerinnen und Schüler.
Unveröffentlichter Entwurf 1994.
§
KRAUTHAUSEN,
Günter: Zahlenmauern im zweiten Schuljahr – ein substantielles Übungsformat. In:
Grundschulunterricht 10 (1995), 42, 5-9.
§
KRUMMHEUER,
Götz: Der mathematische Anfangsunterricht: Anregungen für ein neues Verstehen
früher mathematischer Lehr-Lern-Prozesse. Weinheim ²1995.
§
KULTUSMINISTERIUM
des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Richtlinien und Lehrplan Mathematik.
Grundschule. Düsseldorf 1991 (1. Aufl. 1985).
§
KULTUSMINISTERIUM
des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Richtlinien und Beispielplan
Mathematik. Schule für Lernbehinderte (Sonderschule). Düsseldorf 1991 (1. Aufl.
1977).
§
LORENZ, Jens
H. & RADATZ, Hendrik: Handbuch des Förderns im Mathematikunterricht.
Hannover 1993, besonders 127-131.
§
MILZ,
Ingeborg: Rechenschwächen erkennen und behandeln. Dortmund ³1995.
§
RADATZ,
Hendrik u. a. (Hrsg.): Handbuch für den Mathematikunterricht. 1. Schuljahr.
Hannover 1996.
§
RADATZ,
Hendrik u. a. (Hrsg.): Handbuch für den Mathematikunterricht. 2. Schuljahr.
Hannover 1998.
§
RADATZ,
Hendrik & SCHIPPER, Wilhelm: Handbuch für den Mathematikunterricht an
Grundschulen. Hannover 1983, 63ff.
§
SCHERER,
Petra: Zahlenmauern. In: Petra SCHERER: Entdeckendes Lernen im
Mathematikunterricht der Schule für Lernbehinderte. Heidelberg 1995, 270-278.
§
SCHERER,
Petra: Aktiv-entdeckendes Lernen - auch für schulschwache Kinder! In: Elmar
HENGARTNER (Hrsg.): Mit Kindern lernen. Standorte und Denkwege im
Mathematikunterricht. Zug 1999, 152-160.
§
STAATSINSTITUT
für Schulpädagogik München (Hrsg.): Lehrplan + Materialien für den Unterricht
in der Schule für geistig Behinderte. München 1982, 179-200 ('Mathematik').
§
WERNER,
Birgit: Rechenschwäche - oder nicht geförderte Fähigkeiten. In: Zeitschrift für
Heilpädagogik 50 (1999), 10, 471-475.
§
WINTER,
Heinrich: Begriff und Bedeutung des Übens im Mathematikunterricht. In:
mathematik lehren 1 (1984), 2, 4-16.
§
WITTMANN,
Erich Ch.: Üben im Lernprozeß. In: Erich Ch. WITTMANN & Gerhard N. MÜLLER:
Handbuch produktiver Rechenübungen, Bd. 2. Stuttgart 1992, 175-182.
§
WITTMANN,
Erich Ch.: Aktiv-entdeckendes uns soziales Lernen im Rechenunterricht. In:
Gerhard N. MÜLLER & Erich Ch. WITTMANN: Mit Kindern rechnen. Frankfurt/Main
1995, 10-41.
§
WITTMANN,
Erich Ch. & MÜLLER, Gerhard N.: Zahlenmauern. In: Erich Ch. WITTMANN &
Gerhard N. MÜLLER: Handbuch produktiver Rechenübungen, Bd. 1. Stuttgart ²1993,
106-109.