Studienseminar Sonderpädagogik Dortmund
Schriftliche Unterrichtsplanung zum 3. Unterrichtsbesuch
im Fachrichtungsseminar
Name:
Schule:
Klasse: K. und T. aus der Klasse 5a
Datum: 11. November 1999
Zeit / Ort: 13.45 – 14.30 Uhr /Therapiebad
Ausbildungslehrerin (Sport):
Krankengymnastin:
Zivildienstleistender:
Fachleiter:
Fachrichtung Sondererziehung und Rehabilitation der
Körperbehinderten
Thema der Stunde „Auf und ab durch die Wellen –
Wir spüren unseren Körper im Wasser in
verschiedenen Lagen und Rotationen“
Förderziel der Stunde Die Schülerinnen sollen den eigenen
Körper im Wasser bewußter spüren,
erleben und wahrnehmen, indem sie sich
mit Hilfe von Lernangeboten aus dem
Bereich der Wassergewöhnung in
verschiedene Lagen und Rotationen
bewegen und bewegt werden.
Zielorientierte Handlungsschritte Die Schüler sollen...
- beim Duschen intensive taktile Reize
am Körper und an ihren Körperteilen
wahrnehmen.
- im Wasser die Auflagefläche des gesamten Körpers und seiner
Körperteile wahrnehmen
(taktile und kinästhetische W.).
- durch leichte Lageveränderungen
aufgrund des sich stärker bewegenden
Wassers ihren Körper intensiver
wahrnehmen (kinästhetische W.).
- durch vertikale und laterale Rotationen ihren Körper in ungewohnten Lagen und Haltungen intensiver wahrnehmen (vestibuläre W. , kinästhetische W.).
- durch das (individuelle) Bewegen von Materialien zum Beckenrand eine intensive Wahrnehmung ihres Körperschemas, ihrer Körperausdehnung und –grenzen erfahren.
- ihren gesamten Körper in einer entspannten Rückenlage wahrnehmen und erleben.
Individualziele:
K. soll versuchen durch eine möglichst hohe Eigenaktivität Lageveränderungen und -wechsel ihres Körpers bewußter wahrzunehmen und entspannt zu erleben. In Rückenlage soll sie versuchen, den Kopf ins Wasser abzulegen, um die Auflage ihres gesamten Körpers zu spüren. (Zeichen der Vertrautheit und Entspannung).
T. soll versuchen, ihren Körper bei Lagewechseln und –veränderungen möglichst entspannt wahrzunehmen und somit ungewöhnliche Körperlagen positive zu erleben.
Thema der Reihe „Wir nehmen unseren Körper im Wasser
aufs Neue wahr“
Förderschwerpunkt der Reihe Mit Hilfe von Lernangeboten aus den
Bereichen der taktilen, kinästhetischen und vestibulären Wahrnehmung sollen die Schülerinnen ihren Körper im Element Wasser bewußter spüren, erleben und ihre Körperwahrnehmung (Körperschema) festigen.
Aufbau der Reihe
|
Thema |
Förderziel |
|
1. „Wir spüren unserem Körper“ |
Die Schüler sollen Berührungsreize an verschiedenen Körperteilen wahrnehmen (Körperorientierung durch taktile W.). |
|
2. „Wir zeichnen unseren Körperumriß“ |
Die Schülerinnen sollen ihren Körper in Form, Länge und Breite wahrnehmen (Körperausdehnung, visuelle W.) |
|
3. „Wir duschen unseren Körper“ |
Die Schülerinnen sollen beim Duschen Wasser als taktilen Reiz an ihrem Körper und an ihren Körperteilen intensiv wahrnehmen und lokalisieren. (Körperorientierung, Körperkenntnis, durch taktile W.) |
|
4. „Wir spüren unseren Körper im Wasser“ |
Die Schülerinnen sollen den eigenen Körper in einer individuell angenehmen Körperlage im Wasser und somit die Auflagefläche des gesamten Körpers wahrnehmen. (Körperorientierung durch taktil-kinästhetisch W.) |
|
5. „Wir entdecken unseren Körper im Wasser neu“ |
Die Schülerinnen sollen den eigenen Körper im Wasser in neuen Lagen wahrnehmen und erleben. (Körperorientierung durch kinästhetische W.,) |
|
6. „Auf und ab durch die Wellen – Wir spüren unseren Körper im Wasser in verschiedenen Lagen und Rotationen“ |
Die Schülerinnen sollen den eigenen Körper im Wasser bewußter spüren, erleben und wahrnehmen, indem sie sich mit Hilfe von Lernangeboten aus dem Bereich der Wassergewöhnung in verschieden Lagen und Rotationen bewegen und bewegt werden. (Körperorientierung durch vestibuläre und kinästhetische W.) |
|
6. „Kreuz und quer durchs Wasser – Wir spüren unseren Körper in vielen Lagewechseln“ |
Die Schülerinnen sollen den eigenen Körper im Wasser in veränderten Lagen und in kombinierten Rotationen bewußter wahrnehmen und erleben. Körperpschema |
Die Reihe zur Festigung der Körperwahrnehmung / Körperschemas wurde und wird in den Fächern Mathematik und Biologie aufgegriffen und mit anderen Schwerpunkten umgesetzt.
In Mathe wurde mit dem Bereich Längen messen der Schwerpunkt der Körperausdehnung (Körpergrößen und Entfernungen messen und vergleichen) vertieft.
In Biologie wird der Bereich der Körperkenntnis erarbeitet, wozu eine längere Reihe zum Körper und seinen Funktionen in Hinblick auf die Thematik Sexualerziehung geplant ist.
Darstellung der
förderschwerpunktbezogenen Lernausgangslage
* verfügt nicht / mit Hilfe
über die Fähigkeit ** verfügt meist über die Fähigkeit
** verfügt teilweise über die Fähigkeit **** verfügt
über die Fähigkeit
|
Name |
K. |
T. |
|
Taktile Wahrnehmung -
Berührung empfinden |
*** |
*** |
|
Kinästhetische
Wahrnehmung -
Bewegungsempfindung - Bewegungsrichtung |
** |
** |
|
Vestibuläre Wahrnehmung -
Lageveränderung - Lagewechsel /Rotationen |
** |
* |
|
Körperwahrnehmung
/ Körperschemaerfahrungen -
Körperorientierung -
Körperausdehung - Körperkenntnis |
** |
** |
|
Fördermaßnahmen |
-
Emotionale und
vertrauensvolle Beziehung und Körpernähe wichtig -
Unterstützung unter
Schulter, (Rumpf, Kopf evtl. ) -
In entspannter Lage
Kopf ins Wasser legen -
Abbauende Hilfe mit
der Perspektive Eigenaktivität - Bei lateraler Rotation ist sie noch ängstlich: Sicherheit und Vertrauen geben - In BL Mund in das Wasser nehmen und „Löcher blasen“ |
-
Da T. auf
Lageveränderungen noch häufig
ängstlich und schreckhaft reagiert, ist ein besonders enger
Körperkontakt und sichernder Halt wichtig -
Unterstützung an Rumpf
und Kopf aufgrund geringer Kopf- und Rumpfkontrolle -
T. dreht sich nur über
die rechte Seite. - Sie soll eine entspannte RL einnehmen. - Im Einstieg und Erarbeitung soll T. in vertikaler Position bewegt werden. Dies ist sinnvoll aufgrund der schlechten Rumpf- und Kopfkontrolle. |
Darstellung der
fachlichen und allgemeinen Lernausgangslage
* verfügt nicht / mit Hilfe
über die Fähigkeit *** verfügt meist über die Fähigkeit
** verfügt teilweise über die Fähigkeit **** verfügt
über die Fähigkeit
|
Name |
K. |
T. |
|
Rückenlage im
Wasser |
*** Beginn: angespannt, enger
Körperkontakt
|
*** enger Körperkontakt |
|
Vertikale
Rotation (RL -> Stand) |
** |
** |
|
Laterale Rotation RL -> BL |
** dreht über linke Seite,
rechter Arm leitet Rollbewegung ein |
** -
dreht über rechte
Seite, linker Arm leitet Bewegung ein |
|
Grobmotorik |
-
Aufgrund der
Tetraspastik mit Athetose motorisch stark eingeschränkt -
Kann mit Armen und
Beinen „Paddeln“ |
-
Aufgrund der
Tetraspastik mit athetotischer Komponente stark eingeschränkte Motorik -
Vorhandener ATNR -
Kaum Rumpf- und Kopfkontrolle -
Leichte
Paddelbewegungen mit linkem Arm |
|
Wassergewöhnung |
-
ist gerne im Wasser -
etwas ängstlich zu
Beginn und bei lateraler Rotation -
Gesichtsabhärtung:
Wasser im Gesicht ist noch unangenehm -
Ins Wasser pusten |
-
ist gerne im Wasser -
erschreckt bei Wasserspritzern
im Gesicht (Kopf und Gesicht wird nicht ins Wasser genommen) - noch ängstlich bei Lagewechsel |
|
Bewegungsfreude |
*** |
*** |
|
Motivation für
den Inhalt |
*** |
*** |
|
Aufgabenverständis |
*** |
*** |
Verlaufsplanung
|
Phase/ Zeit |
Unterrichtsaktivitäten |
Sozialform/
Organisationsform |
Medien |
Kommentar |
|
Vorbe-reitende Einstimmung Ca. 12 ´ Einstieg Ca 4-5´ |
·
K.
und T. sind bereits umgezogen. ·
LAA duscht zuerst T. mit der Handbrause und
bezieht K. in den Duschvorgang kommunikativ mit ein ·
LAA
bringt T. mit Hilfe des Lifters ins Therapiebecken und versorgt T. mit ihren
Schwimmhilfen. Zivi bewegt T. langsam
im Wasser bis LAA K. geduscht hat und
mit ihr ins Therapiebecken nachkommt. ·
LAA,
K., T. und Zivi beginnen die Stunde mit dem Begrüßungslied „Auf der grünen
Wiese steht ein Karussell...“ und drehen sich in Hand- und Armfassung im
Kreis mit und gegen den Uhrzeigersinn. |
·
Einzelbetreu-ung
beim Duschen ·
Kreisspiel
im Therapie-becken |
·
Höhenverstell-barer
Lifter, Duschwanne, ·
Handbrause
mit Wasserregula-tion ·
T.:
Schwimmbrett, Schwimmnudel ·
K.:
Schwimmflügel |
·
Beim
Duschen sollen sich die Schülerinnen
physisch und psychisch an das Element Wasser gewöhnen und positiv auf
die Stunde eingestimmt werden. Durch das Abduschen einzelner Körperteile
entsteht eine taktil-kinästhetische Stimulation. In Anknüpfung an die letzten
Stunden findet eine spielerische
Bewußtmachung und Festigung des Körperschemas (Körperkenntnis) unter
kommunikativer Einbeziehung der Schülerinnen statt. ·
Das
Begrüßungslied stellt einen ritualisierten gemeinsamen Beginn dar, wodurch
eine vertrauensvolle Atmosphäre geschaffen wird. ·
Es
findet spielerisch eine Gewöhnung an die Eigenschaften des Wassers statt. |
|
Hinführung Ca. 4-5 ´ |
·
LAA
gibt Thema bekannt und beginnt die Bewegungsgeschichte zu erzählen: „Wir machen eine Bootsfahrt.“ Versucht
dabei euren Körper zu spüren und wahrzunehmen ...“ ·
LAA
bewegt K. in RL mit Schwimm-hilfe, der Zivi bewegt T. in vertikaler Position
durch das Wasser. |
·
1:1
Betreuung im Wasser hinter bzw., neben, neben und vor S. |
·
Schwimmhilfen
s.o. |
·
Es
findet eine psychomotorisch orientierte Förderung von Wahrnehmen, Bewegen,
Erleben statt. Im Rahmen einer
motivierenden und anregenden Bewegungs-geschichte (Motivationsaspekt,
Spannungsaufbau, Erlebnisorientierung, Anschauung, Kindgemäßheit) sollen die
Schülerinnen ihren gesamten Körper in einer individuell angenehmen
Körperposition/-lage bei Beschleunigungen und Richtungsänderungen wahrnehmen
(intensive taktile und kinästhetische und vestibuläre Wahrnehmung).
Hinsichtlich eines höheren Sicherheitsgefühls tragen die S. noch
Schwimmhilfen. ·
Diese
Phase ist wichtig für das Vertraut-werdens mit der Bezugsperson. Ebenso findet ein Gewöhnen an die
physikalischen Eigenschaften des Wassers und eine Orientierung im Becken
statt. |
|
Erarbeitung Ca. 15´ |
·
„Ihr
erreicht eine rettende Insel, aber euer Boot ist zerstört...“ LAA, Zivi und
KG ziehen S. die Schwimmhilfen aus. ·
„Ihr
erkundet die Insel und schwimmt vorsichtig um die Insel herum“. LAA und Zivi
bewegen K./T. langsam in RL durch das Wasser. ·
„Ihr
haltet Ausschau nach einem Boot, das Euch retten könnte. Dazu müßt ihr zum
Strand schwimmen und auf die Insel gehen.“ Die S. sollen sich von der RL in
den Stand drehen/kommen (vertikale Rotation). ·
„Ihr
habt einen tollen Badestrand entdeckt und wollt Euch durch das Wasser
rollen“. Die S. sollen sich aus der RL in die BL rollen (laterale Rotation).
In der BL sollen sie versuchen, Löcher ins Wasser zu blasen. |
·
1:1
Betreuung (s.o.) ·
LAA/
Zivi stehen, hocken rücklings, am Kopf der S. |
·
Inselbild ·
Fallschirm |
·
Die
S. bewegen sich ohne Schwimmhilfen in der Rückenlage im Wasser, um die
gesamte Auflagefläche ihres Körpers im Wasser wahrzunehmen. Eine
vertrauensvolle und emotionale Beziehung zwischen Schüler und Betreuer
(individuell sichernde Unterstützung, ständiger Blickkontakt, auf Reaktionen
des S. achten) ist wichtige Grundlage, damit die S. ihren Körper positiv und
ohne Angst im Wasser wahrnehmen und erleben. ·
Beide
S. haben aufgrund der cerebralen Bewegungsstörung (erhöhter Mukeltonus) einen
positiven Auftrieb. ·
Die
S. sollen ihren Körper in der vertikalen und lateralen Rotation bewußt
wahrnehmen und erleben, da es für sie ungewohnte und seltene Körperlagen und –positionen sind. Durch
Körperkippungen und –drehungen um die Quer- und Längsachse entsteht eine
intensive vestibuläre Wahrnehmung. Lagewechsel nehmen Einfluß auf die
Gleichgewichtskontrolle. In der Halliwick-Methode von MC MiILLAN stellen
Rotationen einen zentralen Bereich dar. |
|
Vertiefung Ca. 6´ |
·
„Ihr
habt großen Hunger bekommen. Ihr
angelt Fische und bringt sie zum Strand.“ Die S. bewegen sich in der
RL und versuchen, das schwimmende
Material mit möglichst großen Arm-/ Beinbewegungen an den Beckenrand zu
bewegen. |
·
1:1
- Betreuung s.o. |
·
verschiedene
Schwimmate-rialien (Schaumstoff-klötze...) |
·
In
dieser Phase sollen die S. ihren Körper in der RL unter so weit wie möglich
eigenaktiven Paddelbewegungen von Armen und Beinen erleben. Durch das Bewegen
von Material an den Beckenrand nehmen die S. ihr Körperschema, insbs, ihre
Körperausdehnung intensiv wahr. (Kenntnis über die Lage und Bewegungsrichtung
einzelner Körperteile). |
|
Abschluß Ca. 3-4´ |
·
“Ein
Boot nähert sich der Insel und rettet Euch. Ihr freut euch auf eine
entspannende Bootsfahrt nach Hause.“ K. u.
T. werden bei ruhiger Musik in
Entspannter RL durch das Wasser bewegt. |
·
s.o. |
·
Kassettenre-korder ·
Entspannungs-musik |
·
Der
Stundenausklang erfolgt durch eine gemeinsame Entspannungsphase im Rahmen der
Bewegungsgeschichte. Dadurch sollen die S. ihren Körper in entspannter Lage
wahrnehmen und erleben. |
Quellen-bzw.
Literaturangaben
Ayres, J.: Bausteine kindlicher der kindlichen Entwicklung. 2. Auflage. Springer 1992.
Balster, K.: Kinder mit mangelnden Bewegungsstörungen. Praktische Hilfen zur Förderung der Wahrnehmung und Bewegungsentwicklung. Teil 2. Duisburg 1998.
Cherek, R.: Körperwahrnehmung im Wasser, In: Praxis der PSM 14 (1989) 2, 125-132.
Durlach, F.J.: Spielen, Bewegen, Schwimmen.Handreichung zum Schwimmen mit Kindern im Vorschul und Grundschulalter. Hofmann 1994.
Gamper, U.N.: Die Halliwick-Methode, In: Gamper, U.N.: Wasserspezifische Bewegungstherapie und Training. Stuttgart 1995, 23-41.
Innenmoser, J.:Schwimmspaß für Gehinderte. Ein Leitfaden für Behinderte, Eltern, Betreuer. 2. Überarbeitete Auflage, Bockenem 1988.
Kusch, G.: Psychomotorische Übungen im Wasser (Sonderschwimmen), In: Praxis der PSM 8 (1983) 4, 144-148.
Mayr, R.: „Erleben, Spüren, Bewegen im Wasser“, In: Praxis der Psychomotorik (1998), 23 (3)
Schoo, M.: "Unterwegs mit Robinson Crusoe“, In: Praxis der PSM (1996), 21 (3).
Zimmer,R./Cicurs, H.: Psychomotorik. Neue Ansätze für den Sportförderunterricht und Sonderturnen, 3. Verbesserte Auflage. Schorndorf 1993.
Richtlinien:
- Richtlinien Sport. Band 1.
- Richtlinien für die Förderung Schwerstbehinderter Schüler
- Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung München: Die Schule für Körperbehinderte. Leitgedanken zu Erziehung, Unterricht und Förderung. München 19993.
-
KMK-Empfehlungen zum Förderschwerpunkt körperliche und motorische
Entwicklung 1998.